4-3-1: Die Vier-Tage-Woche, drei Vorteile und ein Nachteil

Die 4-Tage Woche wird ja zurzeit an vielen Stellen überlegt, um auf dem heiß umkämpften Mitarbeitermarkt zu punkten. 4 Tage arbeiten, 3 Tage frei – das klingt für ArbeitnehmerInnen auf jeden Fall traumhaft. StB Florian Huber nennt 3 Gründe, warum das eine gute Idee sein kann und warum die Arbeitswelt vielleicht doch (noch) nicht dafür bereit ist.

Wie funktioniert die 4-Tage-Woche?

Bei einer 4-Tage-Woche wird die gesamte Wochenarbeitszeit regelmäßig auf vier Tage verteilt. Dabei kann die tägliche Normalarbeitszeit auf bis zu 10 stunden ausgedehnt werden, ohne, dass dabei Überstunden anfallen.

Das gilt auch für Teilzeitarbeitskräfte. In diesem Fall kann die Normalarbeitszeit auch auf weniger als 4 Tage verteilt werden.

Notwendig ist hierzu wie immer eine Betriebsvereinbarung (in Betrieben mit Betriebsrat) bzw. Einzelvereinbarung wenn es keinen Betriebsrat gibt.

Dabei ist es egal, an welchen Tagen der Kalenderwoche gearbeitet wird. Die Arbeitstage müssen nicht einmal zusammenhängen.

3 Tage in der Kalenderwoche müssen aber jedenfalls frei bleiben. Wird an einem der drei freien Tage gearbeitet, so liegen Überstunden vor, die im Verhältnis 1:1,5 abzugelten sind.

Worauf müssen Arbeitgeber noch achten?

Wenn regelmäßig an den eigentlich freien Tagen gearbeitet wird, wenn auch nur für wenige Stunden, dann besteht das Risiko, dass die Vereinbarung über die 4-Tage-Woche in eine 5-Tage-Woche umqualifiziert wird.
Die Folge wäre, dass die höhere tägliche Normalarbeitszeit von 10 Stunden täglich nicht anwendbar ist und nach der 8. Stunde Überstundenzuschläge entstehen.

Ebenfalls gibt es Kollektivverträge, die spezielle Bestimmungen zur 4-Tage-Woche haben. Etwa der KV für Angestellte & Lehrlinge im Handel.

Welche Vorteile hat die Vier-Tage-Woche?
1.    Steigerung der Motivation und der Arbeitgeberattraktivität! (Stichwort: Fachkräftemangel)
2.    Mehr Zeit für private Aktivitäten bzw. private Wege & Erholung
3.    Mehr Zeit für Weiterbildung (z.B. Studium am Wochenende)

Und wo ist der Haken?

Nicht alle Branchen/Unternehmen werden dieses Modell nutzen können. Etwa Start-ups, oder produzierende Unternehmen! Hier bedeutet ein zusätzlicher freier Tag auch einen Tag ohne abgeschlossene Verträge oder ohne Produktion (Verkauf) von Produkten. Somit könnte die Konkurrenz dies ausnutzen.

Regelmäßig 4 Tage 10 Stunden arbeiten ist auch ganz schön anstrengend

Ja, auch hierbei muss man bedenken, dass ich nicht einfach meine Mitarbeiter 40 Stunden in 4 statt wie üblich 5 Tagen arbeiten lassen kann. Das kann sich nämlich auch auf die Gesundheit auswirken. Nicht bei jedem, aber viele wollen oder können das eventuell auch nicht (z.B. Kinderbetreuung – wenn die Kinderkrippe bereits am frühen Nachmittag schließt…) Da hilft mir dann auch der zusätzliche freie Tag nichts.

Wie wirkt sich das auf den Urlaubsanspruch aus?

Dazu gibt es eine kurze Antwort:
Bei einer 4-Tage-Woche sind es 4 x 5 = 20 Urlaubstage pro Jahr.

Gibt es Länder, die dieses Modell bereits umsetzen?

Island testet seit 2015 die 4-Tage-Woche mit 35 statt 40 Wochen-Stunden. Wissenschaftlich begleitet von einer Langzeitstudie (2015-2019). Mit dem Ergebnis:
Steigerung des generellen Wohlbefindens, Teilnehmenden berichteten von weniger Stress, mehr Zeit für Familie, Freunde und Freizeitgestaltung sowie von einem geringeren Risiko, in ein Burnout zu schlittern.

Und Spanien hat gerade ein Pilotprojekt gestartet (im Herbst 2021) und möchte damit auch mehr Jobs schaffen. Denn für 5 Beschäftigte, die einen Tag in der Woche weniger arbeiten, lässt sich eine weitere Vollzeitkraft einstellen.

Wir sind auf jeden Fall gespannt, was hier in Zukunft noch alles umgesetzt wird.

Der Podcast der Fidas Steuerberater Österreich. Mit News zu Wirtschaft, Steuern und Recht. Kurz und knackig in 5 bis 7 Minuten präsentiert. www.fidas.at

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